Forschungsgemeinschaft Funk e.V.

Edition Wissenschaft

Ausgabe Nr. 13 Juni 1997
Verbundvorhaben "Biologische Wirkungen hochfrequenter elektromagnatischer Felder":
Teilbericht über die untersuchten BOS-Funkfrequenzen

Von F. Gollnick

Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) benötigen besondere Funkanlagen und Kommunikationssysteme für die Bewältigung ihrer Aufgaben. Die weite Verbreitung der Einrichtungen führt zu einer hohen Zahl von Anlagen und Anwendungen. Die Anwender dieser Einrichtungen und Systeme halten sich zumindest während ihrer Arbeitszeit oft in der Nähe von Übertragungsantennen auf und sind deshalb gering-energetischen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt.

Im Rahmen des Verbundvorhabens Biologische Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder" wurde ein erheblicher Teil der "BOS"-Kommunikationsfrequenzen im Hinblick auf ihre Wirkung auf menschliches und tierisches Zellverhalten untersucht (in der Untersuchung wurden gesunde Zellen als auch entartete/krebsartig veränderte Zellen betrachtet).

Arbeitsgruppen der drei Universitäten Berlin (FU), Essen und Bonn konzentrierten sich jeweils auf Zeilwachstumsvorgänge menschlicher Tumorzellen, auf periphere Lymphozyten oder auf Herzmuskelzellen. Sie wurden von zwei Arbeitsgruppen von der Universität Braunschweig und der Bergischen Universität in Wuppertal unterstützt, die für die reproduzierbare Feldexposition der Zellen, den technischen Versuchsaufbau, verantwortlich waren. Für die Versuche wurden bewußt Zellen ausgewählt, die potentiell relativ empfindlich auf äußere Einflüsse reagieren können. Sie wurden elektromagnetischen Feldern ausgesetzt, die bis zur maximal erlaubten Spezifischen Absorptionsrate (SAR) von 80 mW/kg reichen.

Die Berliner Gruppe am Institut für Klinische Chemie und Klinische Biochemie untersuchte das Wachstum der menschlichen Tumorzellen unter dem Hauptaspekt des Leukämie-Mechanismus. Gegenstand der Untersuchung waren Zellen, die schon krebsartig verändert waren; diese weißen Blutzellen hatten a priori höhere Teilungsraten als die intakten Zellen. Dabei sollte überprüft werden, ob der natürliche im Körper vorkommende biologische Reparatur- und Unterdrückungsmechanismus von externen elektromagnetischen Feldern negativ beeinflußt wurde. Somit wurden die beiden Hauptkriterien für die Thymidinkinase-Konzentration und die Teilungs-/Verdoppelungsrate der Zellen untersucht. Im Reagenzglas ergaben sich keine Hinweise auf einen negativen Einfluß.

Der Fachbereich Genetik der Universität-Gesamthochschule-Essen verwendete periphere Lymphozyten für seine Versuche. Keiner der getesteten Parameter zeigte einen signifikanten Einfluß von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern. Zellteilungsraten und DNA-Schädigungen waren von besonderem Interesse. Das Physiologische Institut der Universität Bonn untersuchte das Verhalten der Herzmuskelzellen. Im weiteren Sinne beinhaltet dies die Erforschung einer möglichen Beeinflussung des Herzschlagrhythmus wie in vorherigen Studien von anderen Autoren erwähnt. Sie vermuteten, dies könne in Zusammenhang stehen mit veränderten Flußraten von Ionen durch lonenkanäle (hauptsächlich Ca2+-lonen) oder Veränderungen der Caiciumaufnahme an der Zelloberfläche. Beide Phänomene konnten in der vorliegenden Studie nicht verifiziert worden; es wird betont, daß dadurch die älteren Studien nicht falsifiziert werden. Die elektromagnetischen Felder wurden bei der aktuellen Studie nur 1-2 Minuten eingeschaltet, weshalb die Frage nach der Wirkung einer langdauernden Exposition nicht beantwortet werden kann.

Das Ergebnis der Arbeit aller Gruppen könnte für die Forscher in gewissem Sinne enttäuschend sein, während es die Anwender zufriedenstellt: Es zeigte sich keine Ursache, kein Mechanismus und keine Wirkung, welche den Anwendern Anlaß zur Befürchtung gesundheitlicher Risiken geben könnte.

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