Forschungsgemeinschaft Funk e.V.

Edition Wissenschaft

Ausgabe Nr. 12a Dezember 1996
Biologisch-zerebrale Effekte in niederfrequent gepulsten Hochfrequenzfeldern
J. F. Spittler, P. Calabrese, W. Gehlen

Das Projekt wurde von der Forschungsgemeinschaft Funk e.V. Bonn gefördert und von den Untersuchern (Prof. Dr. W. Gehlen, P.-D. Dr. J. F. Spittler, Dipl.-Psych. P. Calabrese) eigenverantwortlich durchgeführt.

In der Literatur ist vorwiegend an kleinen Fallzahlen über eine Beeinflussung der Gehirnfunktion durch elektromagnetische Wechselfelder berichtet worden, die dem von Funktelefonen ausgesendeten HF-Feld entsprechen. Als wesentliche Prüfgröße diente in den meisten Fällen das Elektroenzephalogramm (EEG). Nicht immer war in allen Einzelheiten nachzuvollziehen, ob es sich tatsächlich um bioelektromagnetische Effekte auf das Gehirn handelt.

Wir untersuchten 52 Probanden im Alter von 20 - 38 Jahren mittels EEG und neuropsychologischen Tests. Die Probanden waren nach Anamnese und neurologischer Untersuchung gesund, medikamentenfrei und hinreichend ausgeschlafen. Zur Erzielung eines definierten Expositionsfeldes erfolgte die Untersuchung in einem mit HF-Absorbern ausgekleideten Raum, der bezüglich der Frequenzen von 5 Hz bis 3 GHz vermessen war.

Während der mittleren 10 Minuten einer 30-minütigen EEG-Ableitung wurden 25 Probanden dem Feld eines Funktelefons ausgesetzt, 27 Probanden dienten als Kontrollpersonen ohne Feldexposition. Die Sendeleistung des Funktelefons betrug 8 Watt, die Antenne war 45 cm über dem Kopf des Probanden angeordnet, die Feldstärke betrug im Bereich des Kopfes ca. 40 V/m (annähernd Grenzwert gem. DIN VDE 0848). Das EEG wurde mit Elektrodenpositionen des 10/20-Schemas mit einem digitalen Gerät (Nihon-Kohden) abgeleitet. Zur Kontrolle der Vigilanz hatten die Probanden bis 10 zu zählen und dann eine Taste zu drücken.

Die Auswertung farbkodierter Diagramme der Spektralleistung zeigte keinen Effekt der Feldexposition im Vergleich mit den vorausgehenden und nachfolgenden 10 Minuten ohne Exposition wie auch im Vergleich zwischen exponierten und nicht exponierten Probanden. In einer multivariaten Varianzanalyse zeigten die Mittelwerte der nach Frequenzbändern getrennt berechneten mittleren Leistungen keine statistisch signifikanten Unterschiede.

Bezüglich ihrer kognitiven Leistungen wurden die Probanden an zwei aufeinander folgenden Tagen in einem Kreuz-Design mit Paralleltests untersucht und alle zufallsverteilt entweder in der ersten oder der zweiten Untersuchungsphase dem Feld des Funktelefons exponiert. Die allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit, die Lern- und Behaltensleistungen wurden mit Tests sowie verschiedene Aufmerksamkeitsfunktionen mit computergestützten Verfahren untersucht. In keinem kognitiven Bereich zeigten sich statistisch signifikante Leistungsunterschiede zwischen den Testphasen mit bzw. ohne Feldexposition.

Ergebnis: In der von uns durchgeführten kontrollierten Vergleichsstudie waren keine statistisch signifikanten, in unseren Augen: keine biologisch relevanten Einflüsse eines von einem Funktelefon erzeugten elektromagnetischen Feldes auf das Elektroenzephalogramm oder die kognitiven Leistungen des Menschen zu erfassen.

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