Forschungsgemeinschaft Funk e.V.

Edition Wissenschaft

Ausgabe Nr. 9 Juli 1996
Der Einfluß von gepulsten elektromagnetischen Feldern auf das Elektroenzephalogramm von Menschen
Von K. Jahre, K. Matkey und H.-J. Meckelburg

Lebrecht von Klitzing berichtet in einer Reihe von Publikationen und Vorträgen über eine mögliche Beeinflussung des Elektroenzephalogramms (EEG) beim Menschen durch gepulste hochfrequente elektromagnetische Felder. Aus den publizierten Arbeiten waren die von L. von Klitzing durchgeführten Versuche durch andere Wissenschaftler jedoch bisher nicht nachvoliziehbar.

Die vorliegende Studie wurde im Auftrag der Forschungsgemeinschaft Funk von der CETECOM durchgeführt. Das Ziel war, die von L. von Klitzing durchgeführten Versuche zu analysieren und sie mit seiner Unterstützung zu dokumentieren, damit eine Reproduzierbarkeit durch andere Wissenschaftler möglich ist.

Ergebnisse der Analyse

Die Ergebnisse der Analyse werden im folgenden in Kurzform dargelegt

  • Laut L. von Klitzing wurden 26 Versuche durchgeführt. Die fragliche Beeinflussung trat entsprechend seiner Interpretation des Ergebnisses 21 mal auf.
  • Aufgrund der vorgelegten Unterlagen können 6 Versuche identifiziert werden.
  • Die Versuche sind in den Veröffentlichungen nicht genügend dokumentiert. Deshalb ist eine Reproduzierbarkeit durch andere Wissenschaftler nicht möglich.
  • Die Ergebnisse werden als wissenschaftlich feststehende Tatsachen vorgestellt.
  • L. von Kitzing und CETECOM führten zusammen drei Versuche durch, wobei entsprechnd L. von Klitzing die Beeinflussung ein Mal auftrat.
  • Die Versuche wurden unabhängig voneinander von L. von KJitzing und CETECOM bewertet, wobei CETECOM eine neuentwickelte Methode anwandte.
  • Bei der Bewertung der EEG's konzentrierte sich L. von Klitzing ausschließlich auf Alphawellen. Er fand heraus, daß mit dem Abfall der Alphawelle die Delta- und Thetawellen steigen. Diese Wirkung wird erzielt, wenn der Aufmerksamkeitsgrad einer Testperson nachläßt und wird von Ärzten zur Messung dieser Fähigkeit benutzt.
  • Ärzte halten einen Versuch von mehr als einer Stunde Dauer für zu lang: sie empfehlen maximal 15 Minuten. Es liegt in der Natur der EEG's, daß sie stark schwanken.
  • L. von Klitzing zog bei seinen Versuchen keine Experten für EEG's hinzu.
  • Es wurden keine statistischen Auswertungen durchgeführt (keine Korrelationsverhältnisse, keine Vergleiche mit Kontrollgruppen).
  • Es wurden keine Versuche ohne Feldexposition durchgeführt.
  • Die Testperson konnte das Ein- und Ausschalten des hochfrequenten Felds sehen (kein Blindversuch).
  • Die Versuchsergebnisse wurden in quadratischer Skalierung dargestellt und nicht auf einer logarithmischen Skala, was leicht zu Fehlinterpretationen führen kann.
  • Digital verarbeitete Signale mit inadäquaten Parametern (Aliasingeffekte, Frequenzraster unangepaßt) führten zu schwerwiegenden Fehlern, insbesondere bei der Überprüfung der Kurzzeitspektren.
  • Das in den Versuchen verwendete gepulste RF Signal unterscheidet sich nicht wesentlich von einem kontinuierlichen Signal, weil die durch die Modulation hervorgerufenen Spektrallinien (Infomation) vernachlässigend gering sind verglichen mit dem Trägersignal.
  • Bedeutung, die L. von Klitzing der Modulation zukommen läßt, muß deshalb in Frage gestellt werden.

Folgerungen für den digitalen Mobilfunk

Die physischen Unterschiede zwischen den Versuchsbedingungen und realen Bedingungen, die beim digitalen Mobilfunk vorliegen, sind signifikant. Somit können aufgrund der Versuche keine Rückschlüsse bezüglich biologischer Einflüsse durch digitalen Mobilfunk gezogen worden. Keiner der in der Studie erwähnten Unterschiede wurde von L. von Kitzling überprüft oder zumindest diskutiert.

Zusammenfassung

  • Die Experimente sind noch in der Versuchsphase.
  • Es wurde nicht nachgewiesen, daß überhaupt ein Einfluß auftritt.
  • Die Ergebnisse konnten bisher von anderen Wissenschaftlem nicht reproduziert werden.
  • Die Ergebnisse können deshalb nicht als wissenschaftliche Erkenntnisse bezeichnet werden.
  • Es existieren signifikante Unterschiede zwischen den Versuchen und den realen Bedingungen beim digitalen Mobilfunk.
  • Aufgrund der Versuche können keine Rückschlüsse gezogen werden bezüglich irgendwelcher biologischer Einflüsse verursacht durch digitalen Mobilfunk.

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