Forschungsgemeinschaft Funk e.V.

Edition Wissenschaft

Ausgabe Nr. 7 Mai 1996
Störbeeinflussung von Herzschrittmachern durch Mobilfunkgeräte
Von W. Irnich, L. Batz, R. Müller und R. Tobisch

Das Thema "Störbeeinflussung von Herzschrittmachern durch Mobilfunkgeräte" hat nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei Mobilfunk-Felderzeugern und Schrittmacher-Patienten ein erstaunlich großes Interesse gefunden. Dies äußert sich unter anderem auch darin, daß bereits 3 Arbeitsgruppen zu Ergebnissen Stellung genommen haben und trotzdem weitere Forschergruppen mit der Erarbeitung von Daten betraut wurden. Diese Aktivitäten sind insofern bemerkenswert, als die Problematik in der Vergangenheit kaum je die Aufmerksamkeit fand, die sie im Interesse der Herzschrittmacher-Patienten verdiente.

Die Qualität der Störerkennung bei heutigen Schrittmachern hat sich seit den 70er Jahren nicht nennenswert verbessert, hingegen ist die Qualität der Störunterdrückung durch das Einkapseln der Schrittmacher in Metallgehäuse deutlich erhöht worden.

Eine Störimmunität gegenüber höchstfrequenten Feldern, wie sie durch Mobilfunkgeräte im C-, D- und E-Netz erzeugt werden, ist sicher im Design bisher nicht berücksichtigt worden.

Die vorliegende Untersuchung hatte es sich zur Aufgabe gestellt, mit Hilfe eines In-vitro-Meßplatzes an möglichst vielen Herzschrittmacher-Modellen zu überprüfen, ob eine Störbeeinflussung durch Geräte des C-, D-und E-Netzes möglich ist. Für die Untersuchung konnten wir auf 231 unterschiedliche Modelle von insgesamt 20 Herstellern zurückgreifen.

Bei den Messungen wurde jeweils ein Schrittmacher samt Elektrode in eine 0,9-g/l-Salzlösung gelegt und die Antenne des Mobilfunk-Gerätes in dichtester Entfernung angebracht. Ließ sich der Schrittmacher stören, wurde das Mobilfunkgerät entsprechend angehoben, bis die Störung unterblieb. Als "maximale Stördistanz" wurde die Entfernung protokolliert, bei der sich der Schrittmacher so gerade noch stören ließ. Die Messungen mit den drei unterschiedlichen Netzen wurden nacheinander mit dem gleichen Schrittmacher durchgeführt.

Von 231 Modellen erwiesen sich 106 Typen als beeinflußbar, entsprechend 45,9 %, wenn alle durch C- und D-Funk gestörten Typen addiert werden. Diese Sicht ist jedoch zu pessimistisch, da bei allen Patienten nicht gleichzeitig sowohl C- als auch D-Funk angewandt wird. Unterteilt nach C- oder D-Funk ergaben sich Anteile von 30,7% bzw. 34,2% der getesteten Typen. Alle Modelle waren gegenüber dem E-Netz resistent.

Die störbaren Typen repräsentieren ihrerseits 18,6 % bzw. 27 % aller lebenden Patienten. Diese Modelle repräsentieren 20.800 bzw. 30.200 von 111.800 Patienten, so daß maximal 27 % aller Patienten als durch Mobilfunk beeinflußbar gelten müssen.

Gegenüber D-Mobilfunkgeräten erwiesen sich die Herzschrittmacher von sechs Firmen als immun, nicht jedoch gegenüber dem C-Netz. Elf andere Hersteller besaßen sowohl störempfindliche als auch störunempfindliche Geräte.

Für den Arzt und die Patienten ergeben sich aus den Untersuchungen folgende Ratschläge: Da nur etwa 27 % aller Patienten vermutlich bei Benutzung von D-Netz-Geräten Schwierigkeiten bekommen könnten, sollte man nicht generell die Benutzung von Mobilfunk in Frage stellen. Vielmehr wäre es sinnvoll, in der Weise aufzuklären, daß man die Patienten, deren Schrittmacher beeinflußbar ist, darauf hinweist, daß bereits in 25 cm Entfernung jede Beeinflussungsmöglichkeit eines Handys aufhört. Bei transportablen Geräten hingegen sollte man einen Mindestabstand von etwa einem halben Meter einhalten. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn sich die implantierenden Ärzte nur noch Schrittmacher besorgten, deren Immunität gegenüber Mobilfunkgeräten vom Hersteller attestiert würde.

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