Forschungsgemeinschaft Funk e.V.

Edition Wissenschaft

Ausgabe Nr. 4 Februar 1996
Zellproliferation, Schwesterchromatidenaustausche, Chromosomenaberrationen, Mikrokerne und Mutationsrate des HGPRT-Locus
Von P. Eberle, M. Erdtmann-Vourliotis, S. Diener, H.-G. Finke, B. Löffelholz, A. Schnor und M. Schräder

Dieses Forschungsprojekt wurde in Angriff genommen, um festzustellen, ob hochfrequente elektromagnetische Felder, wie sie beim Gebrauch von Mobilfunkgeräten entstehen, eine krebserzeugende Wirkung haben. Deshalb untersuchten wir, ob in Genen und Chromosomen Mutationen auftreten und ob es Veränderungen des Zellwachstums gibt.

Untersuchungsobjekt der Studie war das Blut von gesunden männlichen Nichtrauchern im Alter von 20 bis 33 Jahren. Aus diesem Blut wurden Lymphozyten entnommen und bei einer Temperatur von 37°C hochfrequenten Feldern von 450 MHz, 900 MHz und 1,8 GHz ausgesetzt, die für die aktuellen Mobilfunkdienste typisch sind (z.B im deutschen C, D und E-Netz). Die Kulturdauer lag zwischen 39 und 70 Stunden.

Um die Proben zu prüfen, wurden TEM- oder GTEM-Zellen verwendet; diese Zellen verhalten sich gemäß dem Prinzip der "ausgeweiteten koaxialen Leitung". Sie wurden vom Institut für Kommunikationstechnologie der Technischen Universität Braunschweig (siehe Bericht "Experimentelle Versuchsanordnung zur Untersuchung elektromagnetischer Wechselfelder) zur Verfügung gestellt Um äußere Einflüsse auszuschließen, wurden die Zellkulturen in der Kontrollgruppe in einen Raum gebracht. der gegen magnetische Wechselfelder speziell geschützt wurde.

Die verwendeten Testparameter waren folgende:

Chromosomenaberrationsrate - CA:

Dieser Parameter stellt ein Maß für die lnterferenz im Doppelstrangsystem dar, in welchem zwei Paare von Chromatiden zu einer Doppelhelix verbunden sind.

Schwesterchromatidaustausch - SCE:

Die Frequenz des Schwesterchromatidaustauschs gibt Aufschluß über die Schäden an der molekularen Struktur der Gene (DNA).

Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase - HGPRT:

Die Mutationsfrequenz des Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase-Locus ist ein Maß für die Frequenz, mit der schädigende Veränderungen an einer X-chromosomalen Erbanlage auftreten.

Mikrokernrate - MN:

Die Mikrokernfrequenz steht in Bezug zur Chromosomenverteilung und stellt ein Maß für die Anzahl der geschädigten Chromosomen dar.

Zellprollferation - Pl:

Mit dem Zellproliferationsindex kann die Zellteilungsrate angegeben werden, die zu den bösartigen Tumoren in enger Beziehung steht. Änderungen der Proliferationsrate können durch viele Faktoren verursacht werden, wie z.B. Probleme mit dem internen Zellsystem, mit dem die DNA repariert wird, oder Probleme im Immunsystem. Diese Probleme haben verschiedene schwerwiegende Wirkungen auf die Zellen, etwa daß entartete Zellen nicht mehr eliminiert werden oder daß Immunkrankheiten öfter auftreten können.

Zur Untersuchung der Proben wurden Standardmethoden angewandt.

Es gab keinerlei Hinweise, daß die durch die Testparameter charakterisierten Prozesse von den hochfrequenten elektromagnetischen Feldern beeinflußt wurden.

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