Forschungsgemeinschaft Funk e.V.

Edition Wissenschaft

Ausgabe Nr. 22, November 2005
"Sensibilität von Kindern gegenüber EMF-Exposition – Gibt es eine erhöhte Sensibilität gegenüber hochfrequenten Feldern der mobilen Kommunikation während diskreter Entwicklungsphasen?"
Von Dr. med. Jörg Reißenweber, Janine Pöss und Prof. Dr. med. Eduard David

Die Frage, ob es bestimmte Phasen in Entwicklung und Wachstum des menschlichen Körpers gibt, die von einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber einwirkenden elektromagnetischen Hochfrequenzfeldern gekennzeichnet sind, ist von aktueller Relevanz. Die wissenschaftliche Debatte zu diesem Thema ist in vollem Gange. Kinderheilkunde, Anatomie und Physiologie sind gehalten, weitere Forschung zu dieser Frage anzustellen und neue Erkenntnisse zur Interaktion zwischen elektromagnetischen Hochfrequenzfeldern und dem sich entwickelnden menschlichen Körper zu erarbeiten.

Es war das Ziel dieser Veröffentlichung, den aktuellen Kenntnisstand in diesem Bereich zu skizzieren und einen Überblick über allgemeine pädiatrische und medizinische Aspekte des Wachstums und der Entwicklung von Kindern zu geben. Hier ging es vor allem um die Frage, ob und inwiefern sich die Risikoabschätzung im Hinblick auf die Einwirkung von elektromagnetischen Hochfrequenzfeldern auf Kinder und Erwachsene unterscheidet. Ein wichtiges Ziel bestünde darin, mögliche besonders empfängliche Phasen oder Schwachstellen des menschlichen Körpers zu identifizieren, die schädlichen Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Gesundheit oder Allgemeinzustand von Kindern und Heranwachsenden Vorschub leisten könnten.

Die Versuche zur Beantwortung der Frage, ob es Wachstumsperioden oder Lebensphasen gibt (entscheidende Phasen oder Zeitfenster), die eine spezifische Risikoabschätzung erforderlich machen, müssen fortgesetzt werden. Aus medizinischer Sicht und auf der Basis des derzeitigen Wissensstandes gibt es keinen abgesicherten Grund oder plausiblen Verdacht, der es nahe legen würde, von ernsten gesundheitlichen Risiken einer Einwirkung elektromagnetischer Hochfrequenzfelder der Mobilkommunikation auf den sich entwickelnden Organismus auszugehen. Der aktuelle Wissensstand rechtfertigt nicht die Empfehlung, dass Kinder und Heranwachsende a priori besondere Vorsicht im Umgang mit Mobiltelefonen walten lassen sollten.

Dennoch – aus psychologischen Gründen – werden Kinder und Jugendliche zu einer "bewussten" Nutzung von Handys angehalten. Es liegt auf der Hand, dass weiterer Forschungsbedarf in diesem Bereich besteht, da bislang nur wenige Studien zu diesem Thema vorliegen. Von großem Wert wären künftig detailliertere Studien zur Gewinnung neuer Anhaltspunkte und Belege. Ist doch fundiertes wissenschaftliches Wissen der einzige Weg, das Vertrauen der Allgemeinbevölkerung, in der seit Jahren diesbezügliche Bedenken vorherrschen, in die Sicherheit der Technologie wiederherzustellen.

Die Frage nach der Existenz von "Plateauphasen" einer erhöhten Empfindlichkeit bestimmter biomedizinischer Parameter in der Entwicklung des menschlichen Organismus muss weiter diskutiert werden. Daher scheint weitere wissenschaftliche Forschung gerechtfertigt. Auch das immer noch ungelöste Phänomen selbst berichteter elektromagnetischer Hypersensibilität kann in diesem Zusammenhang Erwähnung finden.

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Hintergrundinformation:

Der sorgfältig ausgearbeitete Stewart-Report, der von der „British Independent Expert Group on Mobile Phones“ unter dem Vorsitz von Sir William Stewart am 16. Juni 2000 vorgestellt wurde, hat im Grunde die allgemeine wissenschaftliche Meinung als auch die ICNIRP-Empfehlungen bestätigt. Allerdings hat die umfassende Berichterstattung, insbesondere in englischsprachigen Ländern, bezüglich der Empfehlungen für einen vorsichtigen Umgang mit Mobiltelefonen – vor allem bei Kindern – die wissenschaftliche Debatte wieder angefacht. Im Rahmen des Forschungsprogramms COST 281 fand am 5. Mai 2002 in Rom ein Workshop mit dem Titel „Mobile Communication and Children“ (Mobilkommunikation und Kinder) statt, zusätzlich wurde eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Luc Martens eingerichtet. Eine aktuelle Literaturübersicht zum Thema wurde vorgestellt und die folgenden Themen wurden diskutiert: Anatomische Merkmale und bio-physikalische Mechanismen bei Kindern; dielektrische Eigenschaften; Dosimetrie; biologische Studien; Nutzungsmuster, Risikokommunikation mit Kindern. Darüberhinaus organisierte die WHO im Juni 2004 einen Workshop in Istanbul, der sich der Frage widmete, ob Kinder in elektromagnetischen Feldern einem speziellen Risiko ausgesetzt sind. Der Workshop wurde in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät der Gazi University Ankara durchgeführt.

Weitere Informationen finden Sie:
auf der Webseite der IEGMP (Stewart Report) http://www.iegmp.org.uk
auf der WHO Webseite unter http://www.who.int/peh-emf/ research/children/en/
auf der COST 281 Webseite unter http://www.cost281.org

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