Forschungsgemeinschaft Funk e.V.

Edition Wissenschaft

Ausgabe Nr. 15, April 2002
BEEINFLUSSUNG DER FUNKTION DER BLUT-HIRN-SCHRANKE DURCH ELEKTROMAGNETISCHE FELDER
Von Priv.-Doz. Dr. med Florian Stögbauer

Bis zum heutigen Zeitpunkt sind eine Vielzahl von In vivo Untersuchungen durchgeführt worden, die kein konsistentes Ergebnis bezüglich der Effekte von EMF auf die Funktion der Blut-Hirn-Schranke (BHS) belegten. Die Gründe für die mangelnde Reproduzierbarkeit liegen in der Natur der gewählten in vivo experimentellen Ansätze selbst, bei denen die Kontrolle experimenteller Randbedingungen unter identischen Bedingungen in unterschiedlichen Labors nicht gewährleistet ist. Diese Problematik hat in praktisch allen Feldern der Biochemie, der Zellbiologie sowie der Molekularbiologie dazu geführt, daß Untersucher sich für detaillierte Experimente auf biochemisch-molekularbiologischem Gebiet von in vivo Modellen entfernt haben und diese durch adäquate In vitro Modelle ersetzt haben. In solchen in vitro Modellen sind Experimente zu grundlegenden molekularen Mechanismen unter sehr gut reproduzierbaren Rahmenbedingungen auch in unterschiedlichen Laboratorien durchzuführen. Die hierbei verwendeten Zellkultursysteme sind in der Literatur seit Jahren etabliert und bieten die einzigartige Möglichkeit, sich den zellulären, biochemischen und molekularbiologischen Mechanismen beobachteter Effekte zu nähern und diese exakter zu beschreiben. Primär dienen Experimente mit Zellkultursystemen jedoch der Beschreibung grundlegender biologischer Mechanismen. Zur Abschätzung eventueller Gesundheitsrisiken müssen dann gezielt spezifische in vivo Experimente angeschlossen werden.

Es scheint also denkbar und wahrscheinlich, daß Untersuchungen über die Auswirkungen von EMF auf die Funktionen der BHS in in vitro Modellen letztlich zu reproduzierbaren und somit allgemein akzeptierten Ergebnissen führen werden. Darüber hinaus wird es im Falle eines reproduzierbaren Nachweises von Funktionseinbußen der BHS nach Befeldung mit EMF möglich sein, den zugrunde liegenden molekularen Mechanismen näher zu kommen, was für die biologische Grundlagenforschung von außergewöhnlichem Interesse wäre.

Es wird dargelegt, daß die BHS ein probates physiologisches System darstellt, in dem mögliche Effekte von EMF auf funktionale Systeme des zentralen Nervensystems untersucht werden können.

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